
Hexen treten aus dem Schatten, innere Geister flüstern aus der Ferne, nächtliche Wesen aus Märchen und Mythen bevölkern den Klangraum.
Von (un-)erfüllter Liebe bis zur Hexenbeschwörung, von romantischer Sehnsucht bis zur feministischen Selbstermächtigung erzählt EXTASE – Die Nacht der Seele vom Unfassbaren und Verborgenen. Die Nacht wird zum Spiegel unserer inneren Abgründe, zur Reflexion weiblicher Erfahrungen und zur Bühne für die leuchtenden Möglichkeiten der weiblichen Seele.
Mit Mendelssohns „Hexenlied“ tritt die weibliche Figur als Bedrohung und Macht zugleich auf – ironisch, dämonisch, unberechenbar. Nachtstücke von Schubert, Duparc und Vagan Aleksandrovich Aroutinov (Uraufführung) lassen Stimmen aus dem Unbewussten in der Nacht auftauchen, flüsternd und selbstsuchend.
In Rusalkas Arie („Lied an den Mond“) begegnen wir einer Frau, die für Liebe und Anerkennung ihre Stimme opfert. Rusalka darf begehren – aber nicht sprechen. Ihre Ekstase ist an Selbstaufgabe gebunden, ihr Wunsch an Verstummen.
Als bewusstes Gegenbild zu Rusalka steht die Uraufführung von „Liliths Steh-auf-Arie“, aus der derzeit entstehenden Oper Lilith von Ljiljana Winkler, Alfred Walter (Text) und Gene Pritsker (Musik). Lilith, die Verstoßene, die Dämonisierte, die erste Frau der Mythologie, erhebt hier ihre Stimme selbst. Sie verweigert das Opfer, sie bleibt sprechend, begehrend, handelnd. Wo Rusalka verstummt, gewinnt Lilith die Stimme zurück. Diese Arie markiert den feministischen Wendepunkt des Abends: Ekstase als Selbstermächtigung.
Klassisches Liedrepertoire (u. a. von Duparc, Schubert, Debussy) wird mit zeitgenössischen Uraufführungen verbunden, sodass die schönsten Kunstlieder der Romantik und des Impressionismus mit neuen Perspektiven verschmelzen. Die Nacht wird aus einem feministischen Blick gelesen: als schöpferischer Raum weiblicher Kraft, Sehnsucht und Selbstbegegnung. Das Programm setzt sich bewusst mit tradierten Zuschreibungen auseinander, in denen weibliches Begehren, Wissen und Autonomie als gefährlich oder dämonisch markiert wurden – etwa in den Figuren der Hexe oder Lilith. Zugleich formuliert EXTASE eine Sehnsucht nach der wahren Begegnung: mit sich selbst, mit dem Anderen, jenseits von Projektion, Opferrolle und romantischer Verklärung.
Ljiljana Winkler (Sopran), Saori Anraku (Klavier)
Der Nachtplaner ist eine Wunschliste und kann viele Alternativen berücksichtigen. Überschneidungen erkennen Sie am Ausrufezeichen. Im Programmpunkt können alternative oder weitere Uhrzeiten ausgewählt werden. Bitte planen Sie sich genügend Zeit ein (ca. 5-15 Min), um von einem Ort zum nächsten zu gelangen.